Für Alsen, für Itzehoe

Reportage von Gisa Schneider

Aber: Itzehoe ist auch Alsen.nicht unweit Schloss Rantzau.Stör, ein Kirchturm, zwei Hochhäuser,Das sind grüne Wiesen am FlüsschenWesterland.halber Strecke zwischen Hamburg undDas ist schleswig-holsteinische Idylle aufItzehoe:
Gesichter und Geschichten hinter Itzehoer Traditionsunternehmen stellen wir in unserer neuen Serie vor. Heute: Peter Künne, der viele Jahre in der Alsen-Zementfabrik arbeitete.

Itzehoe

Alsen, die alte Zementfabrik. Wenig idyllisch liegt sie da. Stillgelegt und sich selbst überlassen seit 1972. Schornsteine, die nicht mehr rauchen. Zerfallene Gebäude, die lange keinen Arbeiter mehr gesehen haben.

Stille. Alles liegt leblos da. Doch der Schein trügt. Es gibt Leben auf dem 8 ha großen Gelände. Ein Name ist unverbrüchlich mit dem Industriekoloss in tristem Grau verbunden: Setus Studt, freischaffender Künstler aus Itzehoe. Mit seinem Mal- und Fotoatelier in einem der Gebäude ansässig, dokumentiert er seit Jahren den Zerfall des Geländes. Aus frühester Kindheit kennt er Alsen, belebt, unbelebt:

Das Zementwerk an der Stör übte schon immer eine besondere Anziehungskraft auf mich aus. Damals, als ich mit meiner Oma hinaus in die Welt nach Hamburg reiste, führte der einzige Weg mitten durch die Fabrik. Wer vom Süden oder Norden durch Itzehoe kam, musste durch Alsen, das der Stadt ihr graues Kleid verpasste.

Damals: Das waren 700 Mitarbeiter. Viele von ihnen angesiedelt und wohlversorgt in den werkseigenen Wohnungen, nicht unweit der Zementfabrik. Das waren 1 Million Tonnen Gesamtproduktion pro Jahr. Das waren Reichtum und Ansehen für die kleine Kreisstadt Itzehoe. Aber auch: Staub und Schmutz. Diese legten sich in dicken Schichten auf Mensch, Tier und Häuser, da das Zementwerk in unmittelbarer Nähe zur Stadt an der Stör lag. Heute: Auch Staub und Schmutz, aber keine emsige Betriebsamkeit. Nur triste Betongebäude, die mit der Zeit von zarten Birkenwäldchen eingerahmt werden. Sie mildern den abweisenden Charakter der Industriebrache und ziehen etliche Vögel und Insekten an.

Setus Studt will das Gelände wieder beleben. Aber nicht im ursprünglichen Sinne. Die maroden Gebäude sollen einer neuen Nutzung zugeführt werden. Aus diesem Grund wurde vor wenigen Jahren der Förderverein „Planet Alsen“ ins Leben gerufen. Ziel: Den Schandfleck von Itzehoe für Einheimische und Besucher attraktiv zu gestalten:

Auf dem ehemaligen Gelände des Zementherstellers Alsen soll das Projekt „Planet Alsen“ umgesetzt werden, dass bereits als Marke beim Deutschen Patentamt eingetragen ist. In seinem Ursprung ist „Planet Alsen“ ein Kunstprojekt, dass zur Keimzelle und Plattform für ein sich entwickelndes Kulturzentrum geworden ist. Das Projekt beschreibt die Metamorphose von der Industriebrache über eine Kulturlandschaft hin zu einem Kulturzentrum.