Sommerakademie 2005

1. Itzehoer Architektur-Sommer 2005      

Das Konzept

von Bernd Kritzmann

Eine Idee entsteht..

Die Begegnung mit dem "Planet Alsen"

Das ehemalige AIsengelände bei Itzehoe ist allgemein bekannt- ein Niemandsland direkt an der Stör, eine vergessene Welt – ein eigener Planet, direkt vor Itzehoe.

Diese Bezeichnung "Planet Alsen" wurde vom Künstler Setus Studt erfunden, der seit 1985 auf dem Gelände arbeitet. Seine Fotoausstellung über das ehemalige AIsengelände ist nicht nur in Itzehoe sondern in ganz Deutschland bekannt.

Im Sommer 2004 sprach ich mit Herrn Studt über die Möglichkeit Nutzungs- und Gestaltungsansätze für das Gelände als Stegreifaufgaben zu entwickeln. Mit einer kleinen Studentengruppe und dem Landschaftsplaner Günter Greis aus Hamburg besichtigten wir das Gelände, tranken Tee im Atelier und träumten von einem "Planet Alsen". Farben, Form,

Die Idee…

Licht, die Natur und die Architektur der alten Restgebäude, bezauberten uns. Es enstand eine Idee…

Neben dem Atelier von Setus Studt befinden sich weitere Räumlichkeiten, die als ideale Flächen für besondere Verwendungen wie z.B. Workshops und große Events genutzt werden können. Es entstand die Idee; diese Flächen für Hochschulen in Norddeutschland zur Verfügung zu stellen und hier am Ort gemeinsam zu arbeiten, zu gestalten, zu diskutieren – eine Sommerhochschule- eine begrenzte Zeit mit Studierenden aus unterschiedlichen gestalterischen Disziplinen zusammenzuarbeiten – eine Idee war geboren.

Der erste Itzehoer-Architektursommer soll im Zeitraum Frühjahr 2005 gestartet werden.

StudentenInnen aus den Hochschulen Wismar; Lübeck, Kiel und Hamburg sollen sich in der Woche vom 23.5. -28.5. 2005 auf dem "Planet AIsen" treffen und gemeinsam an neuen Ideen über das "Alsen-Gelände" entwickeln.

Die Historie der Alsen-Zement-Fabrik
von Thomas Meyer und Marco Müller Diplomarbeit FB Architektur HAW Hamburg

Itzehoe ist Kreisstadt des Landkreises Steinburg. Sie liegt ca. 50 km nordwestlich von Hamburg und hat ca. 34900 Einwohner. Der Stadtbereich von Itzehoe ist im Süden von dem Fluss Stör begrenzt. Im Nord-Osten wird die Stadt von einigen Waldgebieten eingerahmt. Südlich der Stör liegt der Stadtteil Wellenkamp, der ursprünglich als Arbeitersiedlung für die Zementfabrik Alsen gebaut wurde. Das ehemalige Fabrikgelände wird von der Stör, der angrenzenden Bahnlinie und der Straße Kremper Weg umschlossen. Es bildet das Verbindungsglied zwischen den südlichen Ortsteilen und dem Stadtbereich von Itzehoe.

Die Geschichte der Alsen – Zement – Fabriken begann im Jahre 1862 mit dem Erwerb von ca. 30 Hektar Kreideland in Lägerdorf / Holstein, durch den damals 26jährigen Architekten Gustav Ludwig Alsen. Nachdem Alsen im Dezember 1862 in Kopenhagen eine Konzession für den Betrieb einer Kalk- und Zementfabrik erhalten hatte, kaufte er im April des folgenden Jahres das 250.000 qm umfassende Marschland – Areal am Rande der südlichen Stadtgrenze von Itzehoe. Ein guter Standort direkt am Verlauf der schiffbaren Stör und mit direktem Anschluss an die Bahnlinie

Hamburg – Westerland.
Als eigentlicher Firmengründer gilt jedoch Otto Friedrich Alsen, der Vater Gustav Ludwig Alsens, der schon im Dezember 1863 die Firma übernahm, da der Sohn zwar mit viel technischem Verstand, jedoch ohne die nötigen kaufmännischen Kenntnisse bereits frühzeitig finanzielle Probleme hatte. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Fabrik nur 6 Arbeiter. Im Jahr 1880 war die Belegschaft des Itzehoer Werkes bereits auf 177 angestiegen. Viele Arbeiter kamen aus Schlesien, Pommern, West- und Ostpreußen. Wegen der stark anwachsenden Belegschaft begann Alsen im Jahre 1870 mit dem Bau von Werkswohnungen, die bis heute das städtebauliche Bild des Itzehoer Stadtteils Wellenkamp prägen. Im Jahr 1911 beschäftigte das Familienunternehmen Alsen in seinen Werken bereits 1300 Arbeiter, das waren damals 59 % aller in der schleswig-holsteinischen Zementindustrie Beschäftigten. Mit zunehmender Technisierung und Ausweitung des Lägerdorfer Alsen – Werkes nahm die Zahl der bei Alsen in Itzehoe Beschäftigten im Laufe des 20- Jahrhunderts stetig ab. Mit der Stilllegung im Oktober 1985 endete die 120-jährige Geschichte der Portland – Zementfabrik Alsen in Itzehoe.

Der Planungsansatz

Das Stadtbild des südlichen Itzehoe wurde primär von der Zementfabrik mit ihren großen Werkhallen, riesigen Drehöfen und hoch anfragenden Schornsteinen bestimmt. Das einstige Wahrzeichen der Fabrik, der 75 Meter hohe Schornstein fiel im Jahr 1989, seitdem sind viele Werksgebäude abgerissen worden. Die wenigen verbliebenen Bauten sind heute dem Verfall schutzlos preisgegeben.

Das heutige Erscheinungsbild des Alsen – Geländes ist durch vielschichtige Räume und Elemente geprägt. In den letzten 20 Jahren sind durch die immer wieder vorgenommenen Abbrucharbeiten und die fast unaufhaltsam wirkende Selbst – Renaturierung außergewöhnliche Strukturen entstanden. Auf den ersten Blick scheint das Areal eine nicht erhaltenswerte Industrieruine darzustellen – Kurzweilige Betrachtungen von Bildern oder aus der Ferne wecken nur Vorahnungen, erst nach intensivem Erleben und zeitlichem Abstand entfalten sich die skulpturalen und vielseitigen Eindrücke. Bei einer genaueren Erkundung spürt man eine ganz besondere Atmosphäre, die durch eine Reihe von Erscheinungen gekennzeichnet ist.

Neben den großflächigen und mittlerweile natürlich gewachsenen Grünflächen ist das Gelände besonders durch seine inselartige Lage gekennzeichnet. Im Norden ist das Gebiet durch den Deich der Stör begrenzt. Im Süd-Osten befindet sich eine Ansammlung von Gewerbebauten, die durch ein kleines Waldgebiet vom Alsen – Gelände getrennt sind. Der südliche Bereich wird durch hochgewachsene Bäume und ein Feuchtgebiet begrenzt, hinter dem die stark befahrene Durchgangsstraße Kremper Weg den Ortsteil Wellenkamp mit Itzehoe verbindet. Auf der gesamten Lange der westlichen Seite ist das Grundstück durch einen Bahndamm begrenzt – Nicht zuletzt die teilweise skurril aussehenden und stark durch ihre Nutzung geformten Gebäude und Gebäudefragmente, die teilweise erst durch den wehrlosen Abriss entstanden sind, tragen zum spürbaren Geist dieser architektonisch reizvollen Umgebung bei. Die raue Schönheit der ehemaligen Werksgebäude gewinnt durch ihre natürliche Patina und den wilden Bewuchs auf Dächern und Vorsprüngen zusätzlich an Ausstrahlung
Durch diese umgebenden und rahmenden Bedingungen entsteht eine ruhige und fast erholsame Stimmung. Das gesamte Gelände scheint in einen "Dornröschen-Schlaf verfallen zu sein – nur wenn das Geräusch der zeitweilig vorbeifahrenden Züge für wenige Sekunden über das Gelände streicht, kehrt ein Moment der Belebung zurück und man glaubt eine Reise in vergangene Zeiten zu unternehmen. Der von Stetus Studt erdachte Name – Planet Alsen – fasst diesen Genius loci sehr gut in einem Begriff zusammen und beschreibt das Eintauchen in eine uns entfremdete Welt.

Sicher kann nicht Ziel des Konzeptes sein, auch wenn es noch so reizvoll erscheinen mag, den jetzigen Zustand des Geländes zu konservieren. Dennoch wollen wir versuchen, das zu erhalten was diesen Ort wirklich interessant macht: seine Geschichte und ihre Spuren, selbst wenn man sie für hässlich hält, weil sie schmutzig oder verrostet sind. Die Strategie besteht darin die vorhandenen Widersprüche aufzunehmen und in Widersprüchen zu arbeiten: Inszenieren – Verbergen – Beenden – Ergänzen – Verbinden – Trennen

Das Programm

Meldung zur Teilnahme bis 15.1.2005 (insgesamt sind 50 Plätze in der Jugendherberge in Itzehoe reserviert!!!)

Mo.23.5.05 eintreten der StudentInnen aus den verschiedenen Hoch¬schulen, Begrüßung, Besichtigung des Geländes unter Führung, Besich¬tigung der Stadt Itzehoe, Begrüßung durch den Bürgermeister, beziehen der Jugendherberge, erste gemeinsame Gespräche; Gruppeneinteilung, Come-Together-Party_
Di, Mi, Do, Arbeiten in Gruppen, Gespräche, Teilbesichtigung, Besprechung der Teilergebnisse, Gruppengespräche und im Forum Fr. Vorstellung erster Ergebnisse, Forum, Ausarbeitungsphase, Abschlussparty‘
Sa.28.5.05 Abschlussgespräche (Forum) Ausblick und Abschluss der Findungsphase, Ende ca. 14. Uhr. Rückfahrt. Ausarbeitungsphase in den jeweiligen Hochschulen. Geplante Präsentation der Ergebnisse in der ersten Juli – Woche 2005

Die Teilnehmer
(angefragt)

Leitung:
Künstler Setus Studt Itzehoe
Prof. Dr.-Ing Bernd Kritzmann, Dipl.-Ing. Günter Greis Landschaftsplaner, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, Fachbereich Architektur.
Teilnehmende Hochschulen:
Fachhochschule Lübeck, Fachbereich Bauwesen, Studiengang Architektur.- Prof. Dipl.-Ing. Ulrich Nieschalk Fachgebiet Entwerfen, Darstellen und Industriebau, Prof. Dr.-Ing. Bernhard Stubenvoll, Fachgebiet Städtebau, Freiraumplanung; Gast: Prof. Dr.-Ing. Martin Speich, Fachgebiet Tragwerksplanung
Fachhochschule Kiel, Studiengang Multimedia Production Peter Hertling, Hochschule Wismar, Fachbereich Architektur, Prof. Udo Onnen-Weber; Fachgebiet Entwurfslehre und CAD, Universität Kiel. Päd. Institut/Interdisziplinäres Zentrum für Multimedia, Gerhard Tonski.