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Initiativen und Vereine suchen bei Veranstaltung auf Alsen nach neuen Wegen für Itzehoe

Die Verunsicherung ist groß. Es gebe eine „Riesen-Sehnsucht“ nach Selbstversorgung und danach, selbst etwas zu tun, Stadt selbst zu machen. So beschreibt Julian Petrin die Ausgangslage. Der Hamburger Professor war am Sonnabend einer der Experten von außerhalb bei der ersten Stadtdebatte auf dem Gelände des Vereins Planet-Alsen. Sein Vortrag leitete die Podiumsrunde „Wir müssen reden – Stadt machen“ ein. In der ersten Runde, ebenfalls mit lokalen Akteuren und stadtfremden Experten besetzt, ging es um „Urbanes Grün – Stadt atmet Zukunft“. Auf einer Infobörse stellten sich zudem Initiativen aus der Region vor, den Abschluss der Stadtdebatte, organisiert vom Kulturbahnhof Viktoria sowie den Vereinen Freiraum und Planet-Alsen, bildete ein Konzert mit dem Pariser DJ-Duo Acid Arab.

Aus der Fülle an Themen hat unsere Zeitung zwei Fragen herausgegriffen:

1. Was ist das Kernthema?

Es gehe um eine neue Ebene von Dialog aus der Zivilgesellschaft heraus, so Petrin. Unterschiedliche Kräfte täten sich zusammen, um sich auf Themen zu konzentrieren, die Itzehoe voranbrächten. Eine Frage sei dabei für eine Stadt im ländlichen Raum, die aber zur Metropolregion gehöre, wo sie in den kommenden Jahrzehnten hinkommen wolle.

Ein Ort wie Alsen sei identitätsprägend und bereichere mit dem alternativen Ansatz die Kultur in Itzehoe, sagte Achim Laleik, Professor für Städtebau und Ortsplanung an der Technischen Hochschule Lübeck. Beeindruckend sei das Engagement vieler Menschen aus allen Altersgruppen.

„Solche Orte sind wichtig für eine lebenswerte Stadt“, betonte auch Davide Brocchi, Sozialwissenschaftler aus Köln. Raum, der als Gemeingut diene, schaffe in Städten eine ganz neue Dynamik. Wichtig seien dabei die Selbstverwaltung und ein neues Verhältnis zwischen Institutionen und Bürgern:

„Es geht darum, in Potenziale, die unten sind, zu investieren und den Bürgern mehr Vertrauen zu schenken.“

Für Setus Studt vom Verein Planet-Alsen stand im Mittelpunkt der demokratische Freiraum: Trotz verschiedener Meinungen wolle man konstruktiv Stadt gestalten „und nicht nur aus Frust heraus Parolen schreien, die unterirdisch sind“.

2. Was passiert jetzt?

Ziel sei weiter, Planet Alsen als Freiraum zu etablieren und von dort Impulse zu setzen, sagte Studt. Das unterstrich Brocchi, betonte aber auch: „Es gibt in einer Stadt viele unsichtbare Grenzen.“ Die Engagierten dürften nicht unter sich bleiben, „man braucht Grenzgänger und Brückenbauer“. Die Stärken Itzehoes seien dabei die Überschaubarkeit und die große Vielfalt.

Es müsse versucht werden, eine gemeinsame Organisationsplattform zu bilden, die auch als Ansprechpartner für die Stadt wirken könne, sagte Laleik. Daraus könnten neue Formate wie eine Zukunftswerkstatt entstehen.

„Erst einmal ist es gut, dass man sich überhaupt bündelt“, sagte Petrin. Was konkrete Projekte und Ergebnisse angehe, müsse man sich Zeit geben. Wichtig sei ein fester Rahmen, der auch weiter genutzt werde und in dem Themen identifziert würden – Petrin nennt das Stadtlabor.

Auf Alsen blieben die Initiativen weitgehend unter sich. Petrin kennt das schon: Das sei aber eine gute Basis, um den Schulterschluss zu suchen und die Ideen weiter in die Zivilgesellschaft und in das Herz der Stadt zu tragen. „Dann kommen die Projekte von allein“ – und auch die Institutionen ließen sich in der Folge einbeziehen.

Lars Peter Ehrich