Leserbrief: Ein Ort zum Bewahren

Eine frühere Itzehoerin hat die Stadt besucht und schildert ihre Eindrücke

Am vergangenen Wochenende traf ich mich mit alten Freundinnen in Itzehoe. Hier wurden wir geboren, gingen zur Schule, badeten in den Tonkuhlen und waren im MTV (Männerturnverein). Vor mehr als 40 Jahren verließen wir Itzehoe und schwirrten aus in alle Richtungen. Die Rückkehr für einen Tag war ernüchternd.

Schon von weitem sahen wir die Veränderung, die Skyline: Unsere charmante St.-Laurentii-Kirche eingerahmt von Hochhäusern; ein schauriger Anblick. Die Innenstadt zerfetzt, Leerstand und Hauslücken. Dafür Supermarkt an Supermarkt auf ehemaligem Industrie-/Gewerbegelände.

Selbstverständlich ist mir bewusst, dass Itzehoe – wie auch andere Städte – einen gewaltigen Strukturwandel durchleben musste. Auch ist mir klar, dass es Geld, Anstrengung und vor allem Fantasie bedarf, eine Stadt – ohne die typischen Bauten zu zerstören – neu zu gestalten. Ich hoffe sehr, dass die neuen Stadtväter/-mütter den totalen Verfall aufhalten können und nicht die gleichen Fehler machen wie ihre Vorgänger. Itzehoe hat noch Potenzial, wieder zur „Einkaufsstadt im Grünen“ zu werden.

Aber eine Perle haben wir doch noch in Itzehoe gefunden: „Planet Alsen“! Die Zementfabrik Alsen war schon damals für mich ein Planet, ein rauchender, der jeden Abend weiß verrußte Arbeiter ausspuckte. Setus Studt war so freundlich und führte uns durch das Labyrinth Alsen. Als ich durch die großen Fensterscheiben auf die Eisenbahngleise schaute, machte ich eine Reise ins Innere, in die Kreativität. Meine Güte, was könnte man hier alles machen!? Ein El Dorado für Künstler und nicht nur für Künstler, auch für reale soziale Netzwerke. Filmemacher haben bereits hier gedreht. Setus zeigte einen Kurzfilm von Toke Hebbeln. Dieser Film geht unter die Haut und diese Räume ebenfalls. Sie sind geradezu prädestiniert für Veranstaltungen aller Art.Planet Alsen hat uns mit Itzehoe wieder versöhnt. Nicht nur, dass wir hier Eis Casal in den 50er Jahren wiederfanden, nein, hier ist die Zukunft von Itzehoe. Dieser hervorragende Ort zum Erinnern, Bewahren, Entwickeln und Erleben muss erhalten bleiben.

Renate Erb, Hamburg